Berliner Menschenrechtstag 2012

Am 27.09. veranstaltete das Deutsche Institut für Menschenrecht den Berliner Menschenrechtstag 2012 unter dem Motto "Selbstverständlich inklusiv?! Deutschland auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft. Nach einer Begrüßung in der viele Fragen aufgeworfen wurden präsentierte die Direktorin des DIMR, Prof. Dr. Beate Rudolf, einige Antworten und Thesen zu Inklusion aus menschenrechtlicher Perspektive. Für mich war die Erfahrung neu, bei einer Tagung einen Vortrag in leichter Sprache hören zu können - eine tolle Erfahrung, die sich hoffentlich wiederholen wird. In der Video- und Audiobar des Instituts ist ein Mitschnitt des Vortrags in Laut- und Gebärdensprache verfügbar.

 

In den anschließenden Interviews fokussierte Dr. Petra Follmar-Otto auf die Arbeitsschwerpunkte der drei Gäste. So stellte Prof. Dr. Heinz Bude die zentralen Ergebnisse der Exklusionsforschung vor, Ute Erdsiek-Rave berichtete über die Aufgaben der UNESCO-ExpertInnenkreises "Inklusive Bildung" und Deniz Utlu erläuterte die Macht von Sprache bei gesellschaftlichen Ein- und Ausschlussprozessen. Die Fragen aus dem Live- und Online-Publikum wurde methodisch gelungen durch eine "Anwältin des Publikums" aufgegriffen, die zwar nicht alle schriftlich formulierten Fragen einbringen, aber dafür unterschiedliche inaltliche Schwerpunkte auswählen konnte. 

 

Besonders anregend war für mich der Kurzinput von Dr. Nina Althoff in dem Forum "Ein ungleiches Paar? Inklusion und Diskriminierungsschutz". Sie argumentierte überzeugend, dass Antidiskriminierungsrecht 1. als Instrument zur Analyse von Inklusionsbarrieren genutzt werden sollte, 2. effektiven Rechtsschutz bei fehlender Inklusion darstelle und 3. proaktive Intervention durch positive Maßnahmen ermögliche. In der Diskussion wurde eine der Stärken des Inklusions-Ansatzes deutlich, denn er basiert auf Rechten - nicht Entgegenkommen oder politischen Trends, die v.a. über die UN-Behindertenrechtskonvention zu Grunde liegen. Allerdings gilt für Inklusion wie Antidiskriminierungsrecht, dass die tatsächliche Durchsetzung noch lange nicht erreicht ist.